Milad Safar von der Weissenberg Group, über das EuGH-Urteil zur verpflichtenden Erfassung von Arbeitszeiten

Viele sind mit dem EuGH-Urteil zur verpflichtenden Arbeitszeiterfassung unzufrieden. Sind die Bedenken begründet oder nur substanzlose Panik? Milad Safar von der Weissenberg Group gibt seine Expertenmeinung zum Urteil.

Milad Safar von der Weissenberg Group, über das EuGH-Urteil zur verpflichtenden Erfassung von Arbeitszeiten

Das EuGH-Urteil zur verpflichtenden systematischen Erfassung von Arbeitszeiten ist wieder ein schönes Beispiel für einen unglaublichen medialen Hype, obwohl doch noch gar nichts passiert ist. Solange das EuGH-Urteil hierzulande noch nicht in ein aktualisiertes Arbeitszeitgesetz umgesetzt ist, ändert sich nichts und kein Arbeitgeber muss abrupt in hektische Betriebsamkeit verfallen. Sicherlich sind die Beweggründe der Richter, Arbeitnehmer vor einer Inflation unbezahlter Überstunden zu schützen nachvollziehbar. Dennoch wird hier wieder einmal der Bürokratiehengst gefüttert, wenn Unternehmen jede Minute der Arbeitszeit dokumentieren müssen ganz gleich, ob die Mitarbeiter von 8 bis 16 Uhr am Schreibtisch im Büro sitzen, als Vertriebler zwischen Firma und Kunde hin- und herpendeln oder vom Home-Office aus arbeiten.

Wir bei Weissenberg setzen auf ein positives Arbeitsklima und eine innovative Arbeitsweise, um exzellente Resultate und eine professionelle Umsetzung von Aufträgen mit höchster Qualität zu erreichen. Das Prinzip Vertrauensarbeitszeit, auf dessen Basis unsere Mitarbeiter im Home-Office und im Außendienst arbeiten, spielt dabei eine wesentliche Rolle. Mit dem Urteil, wenn es denn so umgesetzt wird, wird vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen, die auf Vertrauensarbeitszeit setzen, faktisch ein bürokratischer Knüppel zwischen die Beine geworfen.
Für uns als IT-Beratungsunternehmen, das sich die Digitalisierung und Automatisierung von Arbeitsprozessen auf die Fahne geschrieben hat, stellt die systematische Erfassung und Auswertung von Arbeitszeiten unter technischen Gesichtspunkten sicherlich keine so große Herausforderung dar wie für andere KMUs.

Denn für viele KMUs ist die Zeit- und Anwesenheitserfassung ein kostspieliges Unterfangen, da viele Mitarbeiter die Dokumentation von Arbeitszeiten und Urlaubstagen auch schon einmal vergessen und die Daten aus verschiedenen Zeiterfassungssystemen zusammengeführt werden müssen. Die manuelle Kontrolle und das manuelle Zusammenführen der Anwesenheitszeiten sind extrem zeitaufwendig und mit einem hohen Fehlerrisiko verbunden, z.B. dass Überstunden falsch dokumentiert und eingereicht werden.

Durch den Einsatz von Robotic Process Automation können die Reports aus den unterschiedlichen Systemen automatisiert herangezogen werden, um die Daten schnell zusammenzuführen und die Zeiterfassung der Mitarbeiter täglich automatisiert auf Genauigkeit und Vollständigkeit zu überprüfen. Wird RPA mit künstlicher Intelligenz kombiniert, ist ein Software-Roboter sogar in der Lage, bei seiner wiederkehrenden Arbeit kontinuierlich dazuzulernen und selbstständig Entscheidungen zu treffen. Der Software-Roboter kann eine automatische Meldung bei fehlenden oder unvollständigen Daten veranlassen, fehlerfreie Aufstellungen der geleisteten Arbeitszeit und der angefallenen/geleisteten Überstunden anfertigen und automatisiert Berichte und Audits zur Verwaltung der Prognose für die Überstundenauslastung erstellen und so nicht nur KMUs unnötigen bürokratischen Aufwand ersparen. Wenn aktuell auch noch kein dringender Handlungsbedarf besteht, sollten Unternehmen das Thema – wenn der mediale Hype abgeflaut ist – nicht aus den Augen verlieren und sich rechtzeitig professionell beraten lassen.


Autor: Milad Safar, Managing Partner der Weissenberg Group

Milad Safar ist Managing Partner der Weissenberg Group, die er 2013 zusammen mit Marcel Graichen gegründet hat. Seit Beginn seiner Berater-Tätigkeit entwickelte er für namhafte Konzerne Lösungen zur Optimierung von Prozessen durch den Einsatz von IT-Systemen. Schwerpunktmäßig beschäftigt sich Milad Safar mit den Themen Digitalisierung, Robotik und künstliche Intelligenz, zu denen er auch regelmäßig Vorträge hält.

Über die Weissenberg Group:

Weissenberg Group mit Sitz in Wolfsburg wurde 2013 von Milad Safar und Marcel Graichen gegründet und beschäftigt 72 Mitarbeiter. Weissenberg Group ist der interdisziplinäre Ansprechpartner für hoch effiziente und innovative IT-Lösungen. Das Kerngeschäft der Weissenberg Group wird durch die Unternehmensbereiche Weissenberg Solutions, Weissenberg Intelligence und Weissenberg Potentials abgedeckt.

Das Kerngeschäft von Weissenberg Intelligence bilden die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten, die sich für Unternehmen durch den Einsatz von Robotic Process Automation und künstlicher Intelligenz ergeben. Im Zentrum steht die Automatisierung standardisierter, regelbasierter Prozesse durch Software-Roboter, um die vorhandenen Ressourcen effizienter einzusetzen und damit für die Unternehmen letztendlich einen wirtschaftlichen Mehrwert zu schaffen.

Als Schnittstelle zwischen IT- und Strategy-Consulting vereint Weissenberg Solutions das Know-how der Unternehmensgruppe im Bereich Prozessberatung, Projektmanagement und Softwareentwicklung. Individuell zugeschnittene Geschäftsprozessmanagement-Verfahren zur Analyse der relevanten Geschäftsprozesse garantieren eine effiziente Gestaltung von Arbeitsabläufen und bestehenden Prozessen im Unternehmen und sorgen so für einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil.

Post Author: Redaktion des ROBINAUT

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