KI als digitaler Motor und E-Commerce als Blaupause – Der Online-Handel zeigt uns, wie schnell KI zum neuen Standard wird

KI wächst global zum Standard heran, wobei viele die vergleichsweise langsame Entwicklung in Deutschland kritisieren. Diese muss jedoch kein Nachteil sein.

KI als digitaler Motor und E-Commerce als Blaupause – Der Online-Handel zeigt uns, wie schnell KI zum neuen Standard wird

Der KI-Markt boomt. Während die Schlagzeilen voll von neuronalen Netzen, selbstlernenden Systemen und künstlicher Intelligenz sind, wird dabei bis auf wenige rühmliche Ausnahmen auffallend selten ein deutsches Unternehmen genannt. Wie kommt es, dass aus anderen Industrienationen so schnell und mit schöner Regelmäßigkeit immer neue KI-Innovationen auf den globalen Markt drängen?

Künstliche Intelligenz in Deutschland: sind wir abgehängt?

Fakt ist, dass 2018 die Zahl angemeldeter KI-Patente in Deutschland durch US-Unternehmen doppelt so hoch war wie die einheimischer Firmen: 2.048 (US) gegenüber 1.022 (DE). Das ist umso erstaunlicher als deutsche Unternehmen gerade in den so relevanten Feldern Fahrzeugtechnik und Systemtechnik weltweit nach wie vor führend sind. Es scheint, dass sich Deutschland durch seine Tradition als große Industrienation und unangefochtene Vorreiterstellung in Sachen Experimentier- und Innovationsfreude selbst im Weg steht.

Auf der Suche nach Balance: KI und Datenschutz

Die Kehrseite der Medaille ist, dass die schnelle und quasi unhinterfragte Entwicklung gerade in den USA und China bereits gesellschaftliche und politische Tatsachen geschaffen hat, bevor die Frage nach dem rechtlichen Status überhaupt formuliert wurde. Künstliche Intelligenz funktioniert nicht ohne sehr große relevante Datenmengen – doch gehören diese Daten in den allermeisten Fällen nicht den KI-Unternehmen, sondern den Nutzern.

Die Anforderungen zum Schutz persönlicher Grundrechte, die seit 2018 mit der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) eingehalten werden müssen, mag für Unternehmen ein mühevoller, ungeliebter Aufwand gewesen sein. Die Sensibilisierung und Diskussion, die sie in Gang gesetzt haben, trug aber flächendeckend zu einer längst überfälligen Auseinandersetzung bei: Was bedeuten Datenhoheit, Privatsphäre und Datenschutz im digitalen Zeitalter? Auf genau dieser Basis betrachten Unternehmer wie Verbraucher heute nun künstliche Intelligenz.

Im Kontrast dazu entwickelt sich China mit Videoinstallationen und Gesichtserkennung noch mehr zum Überwachungsstaat. Auch in den USA rief Microsoft, unterstützt von Amazon und Google, bereits Ende 2018 alle Regierungen der Welt auf, global gültige Regeln für den Einsatz von Gesichtserkennungssoftware zu entwickeln. Bisher ohne Erfolg.

Im digitalen Handel grüßt bereits täglich die KI

Wie kaum eine andere Branche hat zweifelsohne der digitale Handel in den letzten Jahren die größten Fortschritte gemacht. Gute Inhalte (Content), Zugänglichkeit und Service-Komfort (Convenience) haben einen echten Mehrwert in Lebensqualität und Zeitersparnis gebracht. Als einziges Handelssegment wächst der Onlinehandel seit über zwanzig Jahren im zweistelligen Prozentbereich (Statista). Und ein Ende ist nicht in Sicht. Onlineshopping ist heute ein fest etablierter Standard der flächendeckend alle Bevölkerungsschichten jeder Altersgruppe erreicht. Tatsächlich hat der E-Commerce wahrscheinlich am meisten dafür getan hat, dass die Nutzung und das Erleben von KI in der Mitte angekommen ist. Denn unter dem Stichwort „Personalisierung“ ist künstliche Intelligenz schon heute ein wichtiger Bestandteil des täglichen Shoppingerlebnisses.

Durch seine einzigartige, genuin digitale Entwicklung verfügte der E-Commerce von Beginn an über sehr viele Daten und rechtskonform überlassene Nutzerprofile. Mit diesen Inhalten lässt sich viel gestalten. Artikel vorschlagen, Produkte und Dienstleistungen empfehlen, Inhalte oder Produkte individualisieren: was früher einfache Algorithmen erledigten, wird heute in sehr vielen Fällen bereits durch maschinelles Lernen sehr viel passgenauer und in Echtzeit erledigt.

Im Gegensatz zur herkömmlichen algorithmischen oder sogar manuell gepflegten Empfehlung liefert Machine Learning auch dann treffsichere Ergebnisse, wenn eine Kundin, die bisher immer für ihre Kinder einkaufte, im selben Shop erstmals ein Geschenk für die Schwiegermutter sucht.

In seiner vollen Ausprägung könnte jeder Kunde unter derselben Webadresse letztendlich seinen ganz individuellen Shop angezeigt bekommen. Doch KI kommt nicht nur über den Desktop oder am Mobilgerät zum Einsatz. Voice Commerce, Chatbots und Smart Home Shopping werden immer populärer. Und auch die Schnittstelle zum lokalen Einzelhandel funktioniert: digitale Inhalte stehen im Geschäft mit großformatigen Screens und personalisierten Avataren zur Verfügung.

Märkte mit KI gestalten: durch Wachstum und Regeln

Früher meinte man mit Digitalisierung das „analoge Feld zu verlassen“. So sind seit den neunziger Jahren Unternehmen damit beschäftigt, eine digitale Basis zu schaffen. Viele von ihnen stehen hiermit auch heute noch am Anfang. Dabei ist für die Wirtschaft längst die nächste Phase der Digitalisierung eingeläutet: die „KI-isierung“, der Wandel der digitalen Wirtschaft im Zeichen von KI. Daten sind dabei das neue Gold und deren sinnvolle Interpretation und richtige Implementierung zentral für nachhaltigen Fortschritt.

Insofern kann die Grundlagenarbeit innovativer KI-Unternehmen in Deutschland auch als Stärke des Standorts Deutschland gesehen werden statt als wachstumsverzögernder Nachteil. Die Frage, ob KI oder nicht, stellt sich nicht mehr. Sowohl Hersteller als auch Nutzer haben den Umgang schon schätzen gelernt. Jetzt gilt es, zu gestalten und durch korrektes Implementieren neuer Anwendungsfelder eine gute und nachhaltige Arbeitswelt und Gesellschaft von morgen zu schaffen.


Autor: Caroline Helbing ist Senior Analyst und Content Writer bei der OXID eSales AG

Caroline Helbing ist Senior Analyst und Content Writer bei der OXID eSales AG. Die Kommunikationsexpertin graduierte in Paris und München und ist seit 16 Jahren im E-Commerce tätig. seit 2007 beim Freiburger Open Source E-Commerce Hersteller OXID eSales. Caroline analysiert und bewertet Trends und Märkte hinsichtlich Wachstumsimpulsen und branchenverändernder Technologien. Ihre Schwerpunkte sind „Customer Experience“, „Omnichannel“, „B2B Geschäftsmodelle“ und „E-Commerce im Zeitalter von Industrie 4.0“. Sie ist in E-Commerce Jurys und als Speakerin aktiv, und teilt ihr Wissen regelmäßig als Referentin in der OXID Academy.

Über Oxid eSales:

Die Freiburger OXID eSales AG ist einer der bekanntesten Anbieter von E-Commerce-Lösungen im deutschsprachigen Raum. Unternehmen wie die Deutsche Post, Edeka, Schiesser oder Metabo betreiben Onlineshops auf Basis der OXID Plattform. Diese ist für ihre hohe Flexibilität, Individualität und Qualität bekannt. Was OXID eSales ausmacht, ist die Summe aus dem, was das Unternehmen das OXID Ökosystem nennt: jeder einzelne Mitarbeiter, einzigartige Kunden, über 150 zertifizierte Partner, die tag- und nachtaktive Community, der hoch geschätzte Service, das hilfsbereite Supportteam und die Wissen transferierende Academy. Die Vorteile: eine hohe Innovationsgeschwindigkeit, qualitativ hochwertige Entwicklungen und langfristige Investitionssicherheit.

Post Author: Redaktion des ROBINAUT

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